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I.
Akt
Die Seiltänzertruppe Knie kämpft mit den Schwierigkeiten
der "Inflation"!
Diebstahl gibt es eigentlich bei Zirkusleuten nicht.
ABER... die Obrigkeit will einerseits helfen, anderseits
aber auch ihre typische Härte walten lassen.
II.
Akt
Katharina will alles wieder in Ordnung bringen.
Vater Knie lernt einen Gutsbesitzer kennen und schätzen und
lässt ihm seine Tochter da.
III.
Akt
Alles ist anders geworden.
Die "Inflation" ist überwunden, es ist wieder
"gutes Geld" da.
Ignaz lässt sich...
Katharina kommt zurück, oder doch nicht?!?
IV. Akt
Vater Knie ist beerdigt.
Geht es weiter?
Es geht weiter.
Und die Obrigkeit schaut dumm drein! |
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Carl Zuckmayer
*
27.12.1896
lebte von 1939 bis 1946 in den USA im Exil
ab 1958 in der Schweiz
† 18.1.1977
Zuckmayer war mit seinen lebensnahen und zeitkritischen Stücken
sehr
erfolgreich.
1922 entstand "Der fröhliche Weinberg", unser
erstes Stück.
Weitere Stücke sind:
Der Schinderhannes
Der Hauptmann von Köpenick
Der Gesang im Feuerofen
Des Teufels General
Immer
wieder versteht es Zuckmayer, unter Zuhilfenahme seiner
Erinnerungen seiner Umgebung einen Spiegel vorzuhalten, ohne
jedoch verletzend zu sein. Gerade im vorliegenden Stück
"Katharina Knie" ist es eigentlich seine eigene
Betroffenheit, an der er uns teilhaben lässt.
Er selbst wie alle seine in Deutschland lebenden
Zeitgenossen litten gleichermaßen unter
"Inflation".
Und trotzdem, seine schlimm gebeutelte Seiltänzertruppe
gibt nicht auf!
Katharina Knie entstand 1928 mit dem Untertitel "Ein
Seiltänzerstück".
Es war ein Stück aus Zuckmayers Jugenderinnerungen.
Der Name "Knie" stand als Synonym für alle Seiltänzergruppen,
die mit ihren offenen Arenen durch die Lande zogen.
Zuckmayer selbst hatte als Junge "den alten Knie"
erleben dürfen.
Dieser "Papa Knie" zog zwischen Basel und Koblenz
rheinauf und rheinab. Alle seine sechzehn Kinder arbeiteten
von klein auf mit in der Manege. Dieser "Papa
Knie" war so beliebt wie kein heutiger Schauspieler
oder Fernsehproduzent.
Der große Albert Bassermann übernahm mit Begeisterung die
Rolle des Prinzipals und Elisabeth Lennartz die Titelrolle.
Alle Proben liefen auf die Premiere am 22.12.1928 hin, da
kam ein Brief aus Zürich bei Zuckmayer an.
Ein Advokat, per Vollmacht ausgewiesen als Rechtsvertreter
des "Schweizer Nationalzirkus" und der
"Dynastie Knie", wies in seinem Schreiben darauf
hin, dass die "Dynastie" es auf keinen Fall dulden
werde, dass der Name "Knie" in einem Theaterstück,
noch dazu von einem "moralisch nicht
einwandfreien" Autor, vorkommen sollte. Eine Schädigung
des Ansehens der "Dynastie" werde... und hier
folgten dann die auch heute noch üblichen und allseits
bekannten Drohungen der allerschlimmsten Sorte, derer ein
Advokat mächtig und habhaft war.
Was sollte Zuckmayer nun tun? Der Name konnte doch gar nicht
durch einen anderen ersetzt werden! Schließlich hatte er ja
seine Jugenderinnerungen aufgeschrieben. Und außerdem wäre
jedwede Veränderung am Stück, Titel oder Inhalt - oder am
Premierentermin einer Katastrophe gleichgekommen.
Dem Schreiben des Anwaltes lag jedoch ein kleiner Zettel des
damaligen Pressechefs des Zirkus Knie bei: "Meine
Prinzipale sind gar nicht so schlimm. Setzen Sie sich mit
ihnen über den Advokaten hinweg persönlich ins Benehmen.
Sie dürfen mich aber nicht verraten."
Also schrieb Zuckmayer an die "Herren Propriétaires
des Schweizer Nationalzirkus". Er lud sie ein, einer
Probe beizuwohnen, um den Nachweis erbringen zu können,
dass das Stück dem Ansehen der Familie Knie keinerlei
Schaden zufügen könne, sondern den Namen vielmehr in Ehren
halten werde. Statt eines Antwortschreibens kamen die vier
Brüder Knie selbst nach Berlin.
Das Treffen mit den Brüdern Knie beschreibt Zuckmayer
unnachahmlich:
"Das schienen mir keine Männer zu sein, sondern vier
Goliathe, vier Giganten, vier Riesen in soignierten Anzügen,
gegen die ich mir selbst, obwohl ich damals in meinen frühen
Dreißigern gute neunzig Kilo wog, vorkam wie der zierliche
Page am Hofe eines Rokokofürsten. Da war der mächtige Frédéric,
er trug als einziger noch die kleinen Goldblättchen der
alten Zunft in den Ohrläppchen und arbeitete im Zirkus mit
Tigern und Eisbären -, da waren seine gleichfalls spektakulären
Brüder Charles (Elefanten), Rudolf (Pferde und artistisches
Programm), Eugene (Geschäftliches)."
Sie betrachteten Zuckmayer prüfend und abwartend. Der Name
Bassermann veranlasste sie aber der nächsten
Durchgangsprobe beizuwohnen.
Die vier Brüder wurden in den vorderen Teil des Theaters
gesetzt. Während des ersten Aktes herrschte bei den Brüdern
noch absolutes Schweigen.
Im zweiten Akt begann etwas, was sich im Dritten noch
steigerte.
Zuckmayers Beschreibung:"...hörte man aus der Reihe,
in der die Goliathe saßen, sonderbare Töne. Es klang wie
das Schnauben von See-Elefanten, wie das Prusten
wasserspeiender Pottwale, wie das Todesröcheln der letzten
Saurier... Ich glaube, die weinen."
"S'isch der Babbe! S'isch der Babbe, wie er leibt und
lebt!", werden die vier Brüder Knie zitiert.
Die Aufführung war gerettet. Mehr noch, Zuckmayer und die
vier Prinzipale Knie wurden gute Freunde - trotz des
Advokaten!!!
Die Premiere war ein großer Erfolg, aber die Kritiker
verrissen Katharina Knie in Grund und Boden.
Und trotzdem, Bassermann spielte auch noch seine 100. Aufführung
und das Stück nahm einen Siegeslauf über alle bekannten Bühnen. |