1998
Regie: Volker Barlen

Karl Knie
Katharina Knie
Fritz Knie
Lorenz Knie
Ignaz Scheel
Julius Schmittolini
Bobbi
Mario
Mutter Eichel
Vater Eichel
Martin Rothacker
Rothackerin
Membel
Dillinger
Bloomaul
Berberitzchen
Ferdinand Rotter
Brigitte Kühn
Volker Barlen
Manfred Mühlenbein
Erwin Dänecke
Karl Hutmacher
Helmi Rotter
Monika Hinkel
Regine Weith
Hermann Weith
Andreas Kühn
Rita Milinkowitsch
Annegret Hutmacher
Andreas Hinkel
Anni Steinbach
Marliies Simon
Das Stück

Die Uraufführung des Stückes fand am 20. Dezember 1928 im Berliner Lessing- theater statt. 

Das Stück spielt in den ersten beiden Akten im Inflationsjahr 1923. 
Die Akte 3 und 4 spielen ein Jahr später.
Ort der Handlung ist eigentlich der Marktplatz eines kleinen pfälzischen Städtchens.

Die Handlung

I. Akt
Die Seiltänzertruppe Knie kämpft mit den Schwierigkeiten der "Inflation"! 
Diebstahl gibt es eigentlich bei Zirkusleuten nicht. 
ABER... die Obrigkeit will einerseits helfen, anderseits aber auch ihre typische Härte walten lassen. 

II. Akt
Katharina will alles wieder in Ordnung bringen. 
Vater Knie lernt einen Gutsbesitzer kennen und schätzen und lässt ihm seine Tochter da.

III. Akt
Alles ist anders geworden. 
Die "Inflation" ist überwunden, es ist wieder "gutes Geld" da. 
Ignaz lässt sich... 
Katharina kommt zurück, oder doch nicht?!? 

IV. Akt
Vater Knie ist beerdigt. 
Geht es weiter? 
Es geht weiter. 
Und die Obrigkeit schaut dumm drein! 

Der Autor


Carl Zuckmayer


* 27.12.1896
lebte von 1939 bis 1946 in den USA im Exil 
ab 1958 in der Schweiz 
† 18.1.1977 


Zuckmayer war mit seinen lebensnahen und zeitkritischen Stücken sehr
erfolgreich. 
1922 entstand "Der fröhliche Weinberg", unser erstes Stück. 
Weitere Stücke sind: 
Der Schinderhannes 
Der Hauptmann von Köpenick 
Der Gesang im Feuerofen 
Des Teufels General 

Immer wieder versteht es Zuckmayer, unter Zuhilfenahme seiner Erinnerungen seiner Umgebung einen Spiegel vorzuhalten, ohne jedoch verletzend zu sein. Gerade im vorliegenden Stück "Katharina Knie" ist es eigentlich seine eigene Betroffenheit, an der er uns teilhaben lässt. 
Er selbst wie alle seine in Deutschland lebenden Zeitgenossen litten gleichermaßen unter "Inflation". 
Und trotzdem, seine schlimm gebeutelte Seiltänzertruppe gibt nicht auf! 

Katharina Knie entstand 1928 mit dem Untertitel "Ein Seiltänzerstück".
Es war ein Stück aus Zuckmayers Jugenderinnerungen.
Der Name "Knie" stand als Synonym für alle Seiltänzergruppen, die mit ihren offenen Arenen durch die Lande zogen. 
Zuckmayer selbst hatte als Junge "den alten Knie" erleben dürfen. 
Dieser "Papa Knie" zog zwischen Basel und Koblenz rheinauf und rheinab. Alle seine sechzehn Kinder arbeiteten von klein auf mit in der Manege. Dieser "Papa Knie" war so beliebt wie kein heutiger Schauspieler oder Fernsehproduzent. 
Der große Albert Bassermann übernahm mit Begeisterung die Rolle des Prinzipals und Elisabeth Lennartz die Titelrolle. 
Alle Proben liefen auf die Premiere am 22.12.1928 hin, da kam ein Brief aus Zürich bei Zuckmayer an. 
Ein Advokat, per Vollmacht ausgewiesen als Rechtsvertreter des "Schweizer Nationalzirkus" und der "Dynastie Knie", wies in seinem Schreiben darauf hin, dass die "Dynastie" es auf keinen Fall dulden werde, dass der Name "Knie" in einem Theaterstück, noch dazu von einem "moralisch nicht einwandfreien" Autor, vorkommen sollte. Eine Schädigung des Ansehens der "Dynastie" werde... und hier folgten dann die auch heute noch üblichen und allseits bekannten Drohungen der allerschlimmsten Sorte, derer ein Advokat mächtig und habhaft war. 
Was sollte Zuckmayer nun tun? Der Name konnte doch gar nicht durch einen anderen ersetzt werden! Schließlich hatte er ja seine Jugenderinnerungen aufgeschrieben. Und außerdem wäre jedwede Veränderung am Stück, Titel oder Inhalt - oder am Premierentermin einer Katastrophe gleichgekommen. 
Dem Schreiben des Anwaltes lag jedoch ein kleiner Zettel des damaligen Pressechefs des Zirkus Knie bei: "Meine Prinzipale sind gar nicht so schlimm. Setzen Sie sich mit ihnen über den Advokaten hinweg persönlich ins Benehmen. Sie dürfen mich aber nicht verraten." 
Also schrieb Zuckmayer an die "Herren Propriétaires des Schweizer Nationalzirkus". Er lud sie ein, einer Probe beizuwohnen, um den Nachweis erbringen zu können, dass das Stück dem Ansehen der Familie Knie keinerlei Schaden zufügen könne, sondern den Namen vielmehr in Ehren halten werde. Statt eines Antwortschreibens kamen die vier Brüder Knie selbst nach Berlin. 
Das Treffen mit den Brüdern Knie beschreibt Zuckmayer unnachahmlich:
"Das schienen mir keine Männer zu sein, sondern vier Goliathe, vier Giganten, vier Riesen in soignierten Anzügen, gegen die ich mir selbst, obwohl ich damals in meinen frühen Dreißigern gute neunzig Kilo wog, vorkam wie der zierliche Page am Hofe eines Rokokofürsten. Da war der mächtige Frédéric, er trug als einziger noch die kleinen Goldblättchen der alten Zunft in den Ohrläppchen und arbeitete im Zirkus mit Tigern und Eisbären -, da waren seine gleichfalls spektakulären Brüder Charles (Elefanten), Rudolf (Pferde und artistisches Programm), Eugene (Geschäftliches)." 
Sie betrachteten Zuckmayer prüfend und abwartend. Der Name Bassermann veranlasste sie aber der nächsten Durchgangsprobe beizuwohnen. 
Die vier Brüder wurden in den vorderen Teil des Theaters gesetzt. Während des ersten Aktes herrschte bei den Brüdern noch absolutes Schweigen. 
Im zweiten Akt begann etwas, was sich im Dritten noch steigerte.
Zuckmayers Beschreibung:"...hörte man aus der Reihe, in der die Goliathe saßen, sonderbare Töne. Es klang wie das Schnauben von See-Elefanten, wie das Prusten wasserspeiender Pottwale, wie das Todesröcheln der letzten Saurier... Ich glaube, die weinen." 
"S'isch der Babbe! S'isch der Babbe, wie er leibt und lebt!", werden die vier Brüder Knie zitiert. 
Die Aufführung war gerettet. Mehr noch, Zuckmayer und die vier Prinzipale Knie wurden gute Freunde - trotz des Advokaten!!! 
Die Premiere war ein großer Erfolg, aber die Kritiker verrissen Katharina Knie in Grund und Boden. 
Und trotzdem, Bassermann spielte auch noch seine 100. Aufführung und das Stück nahm einen Siegeslauf über alle bekannten Bühnen. 

© 2006 by R, Leuffen

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