2001
Regie: Die Eiler Kirchenbesen 
Stadtrat Peter Struwe
Mila Struwe
Charlotte
Yvette
Böcklein
Geheimrat
Elisabeth
Fred
Graf v. Birkstedt
James Ellison
Hummel
Anna
Boy
Ferdinand Rotter
Helmi Rotter
Gaby Leuffen
Monika Hinkel
Karl Hutmacher
Volker Barlen
Brigitte Kühn
Manfred Mühlenbein
Andreas Hinkel
Andreas Kühn
Jörg Stegert
Anni Steinbach
Rita Milinkowitsch
Das Stück

Die Uraufführung fand am 20.12.1924 im Lustspielhaus in Berlin statt.

Der Schwank feierte auf zahlreichen Bühnen große Erfolge.
Auch der kölsche Mime Willy Millowitsch hatte dieses Stück fest in seinem Repertoire.

Verfilmt wurde das Stück 1930/31 unter dem Arbeitstitel "Das Mädchen vom Varieté" unter der Regie von Hans Steinhoff.
Zeitbedingt wurde der Film jedoch mehrfach verboten. Unter anderem findet sich in einer Verfügung der damaligen Film-Oberprüfstelle in Berlin folgende Begründung des Verbots:
"...Bild 78 zeigt fünf Frauengestalten, die zu einem lebenden Bild zusammengestellt sind. Die Körper der Frauen sind nur teilweise mit leichten Schleiern bedeckt, sodass die Brüste und teilweise auch die Geschlechtsteile sichtbar werden.
Das Verbot des Bildes aus dem Verbotsgrund der phantasieüberreizenden Wirkung war zu bestätigen.
Bild 79 zeigt sechs Girls auf Hockern an einem Bartisch sitzend, die ihre Hinterteile dem Zuschauer zuwenden.
Der Bareinwand greift nicht durch, da das Verbot nicht wegen des Ortes der Darstellung, sondern wegen ihrer Indezenz - der prononziert plastischen Formen - ergangen ist..."

Die Handlung
Der Vorsitzende des Keuschheitsbundes Peter Struwe aus Pleißenbach an der Pleiße wird zusammen mit seinem Freund Böcklein zum „Kongress der Liga für Sitte und Moral" nach Berlin delegiert.
Aber anstatt zur Versammlung zu gehen, nutzen die beiden die zur Verfügung stehende Zeit zum Besuch in einem Varieté. Dort lernen sie die Tänzerin Yvette kennen, die es dem vermeintlichen Moralisten Struwe angetan hat. Natürlich (!) hat Yvette noch andere Verehrer. Diese versucht Struwe während seines Besuchs im Hause von Yvette und deren Freundin Elise Hildebrand aus dem Feld zu schlagen. Da ist zum einen der ständig zur Heirat drängende Amerikaner James Ellison und andererseits der galant umwerbende Graf von Birkstedt.
Struwes Ehefrau Mila weilt zur gleichen Zeit in Berlin, um angeblich eine kranke Tante, in Wirklichkeit aber ihre aus ersten Ehe stammende Tochter zu besuchen - und das ist (zufällig!?) Yvette.
Aber auch zuhause in Pleißenbach an der Pleiße treten Probleme auf:
Lotte, die  Tochter aus Peter Struwes 1.Ehe taucht mitten im Semester auf, weil sie wegen „schwerer moralischer Verfehlungen" des Internats verwiesen wurde. Ihrem sittenstrengen Onkel, dem Geheimrat Stülpnagel schwindelt sie vor, dass im Institut die Masern ausgebrochen sind, denn für den wahren Grund, ihre Liebschaft mit Fred, hätte dieser überhaupt kein Verständnis. Ihre einzige Vertraute ist zunächst das Dienstmädchen Anna.
Struwe und Böcklein kehren zurück nach Pleißenbach und geloben Stillschweigen über das Abenteuer Berlin.
Als Yvette dann aber zu Besuch kommt, überschlagen sich die Ereignisse und der arme Struwe wird beinahe verrückt. Nachdem er sich aber von seiner Frau und von Yvette überzeugen lässt, dass die Varietétänzerin wirklich seine Stieftochter ist, räumt er mit den Doppelmoralaposteln in Pleißenbach auf...
Die Autoren


Franz Arnold und Erwin Bach

Franz Arnold      * 23.04.1878        † 1960 

Der 1878 in Znin bei Bromberg geborene Arnold begann seine Bühnenlaufbahn als Schauspieler im jugendlichen Alter von 19 Jahren in Eberswalde. Nach Stationen in der Provinz kam er 1907 nach Berlin, wo er am Friedrich-Wilhelmstädtischen Theater als Komiker die Herzen seines Publikums eroberte. Schwank und Lustspiel bestimmten das Repertoire des Lustspielhauses an der Friedrichstraße. Dort lernte Arnold den Schauspieler, Regisseur und Schwankautor Ernst Bach kennen und es begann eine überaus erfolgreiche Zusammenarbeit. In gemeinsam verfassten, von Bach inszenierten Stücken, überzeugten beide auch mit ihren komödiantischen Leistungen. 
Nach dem ersten Weltkrieg ging Bach als Direktor des Volkstheaters nach München, Arnold widmete sich den weiterhin gemeinsam geschriebenen Stücken an verschiedenen Berliner Theatern. Seit 1920 folgte Stück auf Stück. Zur Produktion trafen sich die Partner entweder in Garmisch oder am Starnberger See. 
1929 wurde die erfolgreiche Zusammenarbeit durch Bachs Tod beendet. Nach 1933 emigrierte Arnold nach England, wo er 1960 starb. 

Erwin Bach        * 10.05.1876        † 01.11.1929

Der 1876 im böhmischen Eger geborene Bach kam 1903 nach Anfängerjahren am Wiener Raimund-Theater nach Berlin. Am Residenztheater, später am Lustspielhaus, spielte er Bonvivant- und Liebhaberrollen in französischen Komödien und sammelte erste Erfahrungen als Regisseur. Als 1909 Franz Arnold ans Lustspielhaus engagiert wird, beginnt eine fruchtbare Zusammenarbeit als Autorenteam. 
Der erste große Erfolg ist DIE SPANISCHE FLIEGE (1913). Beide brillieren in ihren eigenen Stücken weiterhin auch als Schauspieler. Nach dem 1. Weltkrieg geht Bach als Direktor ans Münchner Volkstheater. Die gemeinsamen Stücke, die praktischerweise gleich in München und in Berlin aufgeführt werden, entstehen fortan in Klausuren am Starnberger See oder in Garmisch Partenkirchen. Bachs Tod am 1. November 1929 beendet die gemeinsame Erfolgsstory.

© 2006 by R, Leuffen

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