Kölner Stadtanzeiger Ausgabe vom 04.11.1999

"Eiler Kirchenbesen" führten "Arsen und Spitzenhäubchen" auf
Friedliche alte Damen mit zwölf Leichen im Keller

lyd Eil - "Einen Teelöffel Arsen und einen Teelöffel Strychnin auf ein Glas Holunderwein...beim Tee riecht man es leider..." Die beiden verrückten alten Tanten Abby und Martha Brewster finden ihre Lebensaufgabe, indem, sie alleinstehenden, mittellosen älteren Herren den ewigen Frieden bereiten. Dass sie mit ihren zwölf Leichen im Keller immer noch ruhig schlafen können, erschreckt den jungen Neffen Mortimer, der die Taten seiner eigentlich so friedfertigen Tanten zu vertuschen sucht. 
Viele Lacher erntete das Theater "Eiler Kirchenbesen" bei seiner Aufführung der Kriminalkomödie "Arsen und Spitzenhäubchen" von Joseph Kesselring im Pfarrsaal von St. Michael. Denn die Laienschauspielerinnen Monika Hinkel und Anne Hutmacher, die in die Rollen der vornehmen Ladies geschlüpft waren, brachten ihre wachsenden Mordgelüste überzeugend auf die Bühnenbretter. In der scheinbar so gemütlichen Wohnung mit urigen Ohrensesseln, Spitzendeckchen und schummrigen Kerzenschein betörten die sanftmütigen und geselligen Damen so manchen Gast, Selbst Pfarrer Dr. Harper, gespielt von Rolf Leuffen, und die Polizeibeamten Klein und O'Hara, gespielt von Gaby Leuffen und Brigitte Kühn, bemerkten zunächst nichts von den gruseligen Taten. Ein Jahr Vorbereitungszeit benötigten die Schauspieler für ihr Stück, und drei Monate lang werkelten die Akteure an der Bühne im Pfarrsaal. Von der grün-weissen Tapete des gemütlichen Innenraumes, der Wohnzimmerlampe, bis hin zu den kleinsten Requisiten richteten die "Kirchenbesen" die schaurig-schöne Wohnung ein. Bei der Aufführung konnten die Zuschauer von mehreren Seiten das Geschehen beobachten. Theatergründer Volker Barlen ist ein Gegner der "Guckkastenbühne", die den Blick vom Schauspieler weg auf immer neu entstehende Bühnenbilder lenkt." Vor sieben Jahren gründete sich die Theatergruppe, die von der Komödie bis hin zu ernsteren Stücken alles mit ins Repertoire aufnimmt. Damals wollte Volker Barlen gemeinsam mit einigen anderen Akteuren "den Jugendlichen der Gemeinde eine Entfaltungsmöglichkeit anbieten."Doch der Plan funktionierte nicht. Bis heute spielen nur ältere Semester ab 30 Jahren aufwärts im "Kirchenbesen-Theater", das sich inzwischen großer Beliebtheit erfreut. Nach dem Umbau des Pfarrsaales vor einem Jahr hat die Gruppe mit 27 Akteuren auch wieder ihren festen Platz gefunden. Während der Erweiterung des Saales musste die Theatergruppe ein Jahr lang pausieren.

Kölner Stadtanzeiger Ausgabe vom 11.11.1999

Eiler Kirchenbesen

Skurriler Spaß um sympathische Mörder
Theatergruppe "Die Eiler Kirchenbesen" überzeugte mit Schauspielvergnügen und starker Maske

Eil - Kaum ein Kriminalstück hat je so spielerisch mit dem Absurden jongliert wie die Kriminalgroteske "Arsen und Spitzenhäubchen". Meist frei nach Joseph Kesselring, dem Autor der urfassung, haben sich die Eiler Kirchenbesen des Stoffes angenommen und ihn auf die Bühne des Pfarrheimes St. Michael gebracht. Die Theatergruppe der Pfarrgemeinde hat in sieben Jahren nun ihr sechstes Stück inszeniert und verweist auf eine imposante Statistik. In 36 Aufführungen spielten die Mitglieder 93 Rollen, zu den 4300 Stunden Bühnen- und sonstigem Bau kamen 14 600 Proben- stunden.

Mord-Rekord

In "Arsen und Spitzenhäubchen", mit Cary Grant 1944 erfolgreich verfilmt, wimmelt es von skurrilen Figuren. Die beiden älteren Damen Abby und Martha Brewster pflegen ein ganz besonderes Hobby, sie sammeln Mordopfer. Entsorgt werden sie im Keller, wo Teddy, einer ihrer vielen Neffen, in der Annahme, Schleusen für den Panamakanal zu bauen, passende Gräber aushebt.
Schöne Begräbnisse sind sein trost, wenn mal wieder ein Loch mit einer leiche gefüllt wird. Mortimer Brewster, der zweite Neffe, will seine Tanten schützen und hält alles geheim, verbietet ihnen aber vorsorglich, weitere Menschen umzubringen. "So etwas tut man einfach nicht".
Dann tauchen Jonathan, ein weiterer Neffe, und sein Komplize, Gesichtschirurg Doktor Nicolai Einstein, auf - quasi Konkurrenten beim Erreichen neuer Mord-Rekordzahlen, die den Keller für ihre Opfer nutzen wollen. Beide Gruppen bringen es auf zwölf Tote, es geht um den 13. Mord. Mortimer könnte ein Kandidat sein, aber es gibt noch verschiedene Polizisten oder den Sanatoriumsdirektor, der den spleenigen Teddy in die Heilanstalt bringen soll und ebenso wie Lieutenant Roony feststellt, dass die Tanten mindestens genau so verrückt sind. Am Ende stirbt...

Umgekehrte Werte

Die Groteske funktioniert so perfekt, weil die Bösewichter die Sympathieträger sind. Die Toten tauchen nicht ernsthaft auf, sie erfordern kein Mitleid. Viel spannender ist der abstruse Wettkampf. Den Polizisten gönnt der Zuschauer keinerlei Ermittlungserfolg, das Böse wird zum Guten und wenn Jonathan und Einstein noch so fiese und schmierige Gestalten sind.
Unter der Regie von Andreas Hinkel, der als Arzt selbst mitspielt, entstand eine wundervolle Version der Groteske, die viel gewinnt durch den rheinischen Einschlag der Schauspieler. Besonders Volker Barlen, Gründungsmitglied und Initiator der Gruppe, gefiel als Jonathan Brewster, mit aufgeschminkten Narben fast wie Boris Karloff aussehend. Er überzeugte als Gauner mit Geste wie Sprache. Das Publikum freute sich vor allem an den kleinen Hängern, die die Akteure erstaunlich souverän meisterten, um wieder voll und ganz in die Rolle einzusteigen. "Arsen und Spitzenhäubchen" wir im Eiler Pfarrheim Freitag und Samstag, 12. und 13. November, jeweils um 20 Uhr erneut aufgeführt.

Ralf Rohrmoser-von Glasow

© 2006 by R, Leuffen

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