"Eiler
Kirchenbesen" führten "Arsen und Spitzenhäubchen"
auf
Friedliche alte Damen mit zwölf
Leichen im Keller
lyd
Eil - "Einen Teelöffel Arsen und einen Teelöffel
Strychnin auf ein Glas Holunderwein...beim Tee riecht man es
leider..." Die beiden verrückten alten Tanten Abby und
Martha Brewster finden ihre Lebensaufgabe, indem, sie
alleinstehenden, mittellosen älteren Herren den ewigen
Frieden bereiten. Dass sie mit ihren zwölf Leichen im
Keller immer noch ruhig schlafen können, erschreckt den
jungen Neffen Mortimer, der die Taten seiner eigentlich so
friedfertigen Tanten zu vertuschen sucht.
Viele Lacher erntete das Theater "Eiler
Kirchenbesen" bei seiner Aufführung der Kriminalkomödie
"Arsen und Spitzenhäubchen" von Joseph Kesselring
im Pfarrsaal von St. Michael. Denn die
Laienschauspielerinnen Monika Hinkel und Anne Hutmacher, die
in die Rollen der vornehmen Ladies geschlüpft waren,
brachten ihre wachsenden Mordgelüste überzeugend auf die Bühnenbretter.
In der scheinbar so gemütlichen Wohnung mit urigen
Ohrensesseln, Spitzendeckchen und schummrigen Kerzenschein
betörten die sanftmütigen und geselligen Damen so manchen
Gast, Selbst Pfarrer Dr. Harper, gespielt von Rolf Leuffen,
und die Polizeibeamten Klein und O'Hara, gespielt von Gaby
Leuffen und Brigitte Kühn, bemerkten zunächst nichts von
den gruseligen Taten. Ein Jahr Vorbereitungszeit benötigten
die Schauspieler für ihr Stück, und drei Monate lang
werkelten die Akteure an der Bühne im Pfarrsaal. Von der grün-weissen
Tapete des gemütlichen Innenraumes, der Wohnzimmerlampe,
bis hin zu den kleinsten Requisiten richteten die
"Kirchenbesen" die schaurig-schöne Wohnung ein.
Bei der Aufführung konnten die Zuschauer von mehreren
Seiten das Geschehen beobachten. Theatergründer Volker
Barlen ist ein Gegner der "Guckkastenbühne", die
den Blick vom Schauspieler weg auf immer neu entstehende Bühnenbilder
lenkt." Vor sieben Jahren gründete sich die
Theatergruppe, die von der Komödie bis hin zu ernsteren Stücken
alles mit ins Repertoire aufnimmt. Damals wollte Volker
Barlen gemeinsam mit einigen anderen Akteuren "den
Jugendlichen der Gemeinde eine Entfaltungsmöglichkeit
anbieten."Doch der Plan funktionierte nicht. Bis heute
spielen nur ältere Semester ab 30 Jahren aufwärts im
"Kirchenbesen-Theater", das sich inzwischen großer
Beliebtheit erfreut. Nach dem Umbau des Pfarrsaales vor
einem Jahr hat die Gruppe mit 27 Akteuren auch wieder ihren
festen Platz gefunden. Während der Erweiterung des Saales
musste die Theatergruppe ein Jahr lang pausieren. |
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Eiler
Kirchenbesen
Skurriler Spaß um sympathische Mörder
Theatergruppe "Die Eiler
Kirchenbesen" überzeugte mit Schauspielvergnügen und
starker Maske
Eil - Kaum ein Kriminalstück hat je so spielerisch mit dem
Absurden jongliert wie die Kriminalgroteske "Arsen und
Spitzenhäubchen". Meist frei nach Joseph Kesselring,
dem Autor der urfassung, haben sich die Eiler Kirchenbesen
des Stoffes angenommen und ihn auf die Bühne des
Pfarrheimes St. Michael gebracht. Die Theatergruppe der
Pfarrgemeinde hat in sieben Jahren nun ihr sechstes Stück
inszeniert und verweist auf eine imposante Statistik. In 36
Aufführungen spielten die Mitglieder 93 Rollen, zu den 4300
Stunden Bühnen- und sonstigem Bau kamen 14 600 Proben-
stunden.
Mord-Rekord
In "Arsen und Spitzenhäubchen", mit Cary Grant
1944 erfolgreich verfilmt, wimmelt es von skurrilen Figuren.
Die beiden älteren Damen Abby und Martha Brewster pflegen
ein ganz besonderes Hobby, sie sammeln Mordopfer. Entsorgt
werden sie im Keller, wo Teddy, einer ihrer vielen Neffen,
in der Annahme, Schleusen für den Panamakanal zu bauen,
passende Gräber aushebt.
Schöne Begräbnisse sind sein trost, wenn mal wieder ein
Loch mit einer leiche gefüllt wird. Mortimer Brewster, der
zweite Neffe, will seine Tanten schützen und hält alles
geheim, verbietet ihnen aber vorsorglich, weitere Menschen
umzubringen. "So etwas tut man einfach nicht".
Dann tauchen Jonathan, ein weiterer Neffe, und sein
Komplize, Gesichtschirurg Doktor Nicolai Einstein, auf -
quasi Konkurrenten beim Erreichen neuer Mord-Rekordzahlen,
die den Keller für ihre Opfer nutzen wollen. Beide Gruppen
bringen es auf zwölf Tote, es geht um den 13. Mord.
Mortimer könnte ein Kandidat sein, aber es gibt noch
verschiedene Polizisten oder den Sanatoriumsdirektor, der
den spleenigen Teddy in die Heilanstalt bringen soll und
ebenso wie Lieutenant Roony feststellt, dass die Tanten
mindestens genau so verrückt sind. Am Ende stirbt...
Umgekehrte Werte
Die Groteske funktioniert so perfekt, weil die Bösewichter
die Sympathieträger sind. Die Toten tauchen nicht ernsthaft
auf, sie erfordern kein Mitleid. Viel spannender ist der
abstruse Wettkampf. Den Polizisten gönnt der Zuschauer
keinerlei Ermittlungserfolg, das Böse wird zum Guten und
wenn Jonathan und Einstein noch so fiese und schmierige
Gestalten sind.
Unter der Regie von Andreas Hinkel, der als Arzt selbst
mitspielt, entstand eine wundervolle Version der Groteske,
die viel gewinnt durch den rheinischen Einschlag der
Schauspieler. Besonders Volker Barlen, Gründungsmitglied
und Initiator der Gruppe, gefiel als Jonathan Brewster, mit
aufgeschminkten Narben fast wie Boris Karloff aussehend. Er
überzeugte als Gauner mit Geste wie Sprache. Das Publikum
freute sich vor allem an den kleinen Hängern, die die
Akteure erstaunlich souverän meisterten, um wieder voll und
ganz in die Rolle einzusteigen. "Arsen und Spitzenhäubchen"
wir im Eiler Pfarrheim Freitag und Samstag, 12. und 13.
November, jeweils um 20 Uhr erneut aufgeführt.
Ralf
Rohrmoser-von Glasow |