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Kölner
Stadt-Anzeiger Ausgabe vom 13.11.2003 |
Intrigen
zwischen Piazza und Hintertür
Zum italienischen
Kaffeehaus funktionierten die „Eiler Kirchenbesen“ ihr
Pfarrheim um
Eil
- Erwin Dänecke alias Eugenio und Andreas Kühn als Graf
Leandro brüllen sich auf der Bühne an. Zwischendurch
stapft eine verirrte Horde plumper Teutonen mit Khakishorts
und bestrumpften Füßen in Sandalen durch Kulisse und
Publikum auf der Suche nach dem Lido. Geführt wird sie von
einer nicht minder schrillen venezianischen Reiseleiterin
(Anni Steinbach). Die Eiler Kirchenbesen haben sich des 1743
entstandenen, anspruchvollen Lustspiels „Kaffeehaus“ von
Carlo Goldoni angenommen, das zu den meistgespielten Komödien
des venezianischen Dichters gehört. Ort der Handlung ist
eine Piazza in Venedig, an der drei Geschäfte liegen: der
Laden des Barbiers, die Spielhölle Pandolfos und Ridolfos
Kaffeehaus. Letzterer (überzeugend bieder gespielt von
Ferdinand Rotter) ist als Ehrenmann der ordnende Geist im
Chaos der Leidenschaften. Gemeinsam mit Kellner Trappola
(Marcel Rombach) sorgt er sich um Eugenio, des verstorbenen
Pratonus Sohn, den die Spielleidenschaft unausweichlich in
den Ruin treibt. Der junge Zocker ist Pandolfo (herrlich
hintertrieben gespielt von Andreas Hinkel) sowie dem
Falschspieler Grad Leandro ausgeliefert. Ridolfos mildes
Herz wird jedoch auch anderweitig strapaziert. Mitten im
Tumult sorgt Helmi Rotter mit ihrer grandiosen Hauptrolle
als Klatschbase Donna Marzia für Intrigen, die allerlei
Missverständnisse hervorrufen. Während sich der
verheiratete Eugenio neben seiner Spielsucht mindestens
genauso intensiv um das weibliche Geschlecht kümmert, schüttet
seine vernachlässigte Ehefrau Vittoria (Anne Hutmacher) ihr
Herz bei Ridolfo aus. Unterdessen tritt auch Placida (Monika
Hinkel), die verlassene Ehefrau des vermeintlichen Grafen
Leandro, auf den Plan und entlarvt ihren Gatten als
neapolitanischen Hochstapler. Inmitten dieser volkstümlichen
Spießbürgergesellschaft des 18. Jahrhunderts darf natürlich
auch die unglückliche Tänzerin Lisaura (Heidi Hirschfeld)
nicht fehlen. Die Hintertür zu ihrer Wohnung ist sowohl in
den noblen Männerkreisen als auch bei deren Ehefrauen nicht
unbekannt. Goldoni ist in dieser fulminanten
Charakterdarstellung von Betrügern, Lügnern, Verleumdern
und Habsüchtigen darauf bedacht, vor allem auch die
menschliche Atmosphäre von Gut und Böse zu erhellen. Die
Eiler Schauspieltruppe hat überzeugend eine kleine, aber
zeitlose Welt inszeniert, die auch heute noch mühelos
menschliche Wahrheiten erschließt. |
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Kölnische
Rundschau Ausgabe vom 4.11.03 |
An
Stück und Bühne zugleich gebastelt
Den „Eiler
Kirchenbesen“ blieb für ihre Komödie „Das
Kaffeehaus“ nur vier Wochen Probezeit
Sie
sind weit über die Grenzen von Porz bekannt für ihre
humorvollen Inszenierungen und Stücke mit Intriganten und
älteren Damen, die den Nachmittagstee mit ein wenig Arsen
verfeinern. Die Rede ist von den Eiler Kirchenbesen, die
jedes Jahr im Herbst ihr angestammtes Publikum ins Pfarrheim
einladen. Auch diesmal sorgten die Laienschauspieler mit
ihrem neuen Stück „Das Kaffeehaus“ für Furore im voll
besetzten Saal. Die Zuschauer konnten miterleben, wie mitten
auf einer Piazza im sonnigen Venedig Alltag, Liebe, Betrug,
Geschäft und Eifersucht aufeinander prallten. Besonders die
neugierige Donna Marzia (Helmi Rotter) die den lieben langen
Tag nichts anderes zu tun hat als ihre Intrigen zu spinnen
und Unfrieden zwischen Hallodri Eugenio (Erwin Dänecke) und
seiner Frau Vittoria (Anne Hutmacher) zu stiften, trieb zur
Freude des Publikums ihr Spiel auf die Spitze. Aber auch
Nebenrollen können zur Belebung eines Stücks beitragen.
Das bewies die Touristengruppe mit „Reiseleiterin“ Anni
Steinbach, die mit ihrer frechen Führung Erinnerungen an
typische, jedermann geläufige Urlaubsszenen weckte. Dabei
machen die 25 Akteure der Kirchenbesen in ihren Berufen
reichlich wenig Theater – jedenfalls nicht vorsätzlich.
Karl Hutmacher beispielsweise ist tagsüber
Sparkassenangestellter und schlüpfte für die Inszenierung
des Stücks in die Rolle des Regisseurs. EDV-Leiter Michael
Effing fühlte sich als Rausschmeißer Gonzo sichtlich wohl
und der Steuerbevoll- mächtigte Andreas Kühn entwarf und
baute die zweistöckige Kulisse. „Die Bühne war diesmal
eine besondere Herausforderung. Wir hatten wenig Zeit und
mussten sie parallel zu unseren Proben gestalten.“ Nur
insgesamt vier Wochen blieben dem Team, um Stück und Bühne
zusammen zu basteln. Vorher konnte nur ein bisschen „im
luftleeren Raum“ geprobt werden. „Das war schon
reichlich knapp für uns. Doch dabei entstanden vieler der
Gags. So wuchs die Geschichte und wir hatten dabei eine
Menge Spaß“, erzählte Andreas Kühn. |
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