Porz Aktuell Ausgabe vom 25.10.2000

Der schwänkeste aller Schwänke 
Theaterspaß bei den Eiler Kirchenbesen: "Der Raub der Sabinerinnen"

Eil (kli). Am Samstag, 28. Oktober geht im Pfarrsaal der Gemeinde St. Michael (Frankfurter Straße) die Premiere des Stücks "Der Raub der Sabinerinnen" von den Gebrüdern von Schönthan über die Bühne. Der wohl schwänkeste aller Schwänke wurde seit letztem April intensiv erarbeitet. Der Theatergruppe "Die Eiler Kirchenbesen " ist unter der Regie von Dr. Ferdinand Rotter mit der Inszenierung des Stückes wieder einmal eine beeindruckende Leistung gelungen. 
Ist doch da der Gymnasialprofessor Martin Gollwitz (Karl Hutmacher), der als Jugendsünde eine Römertragödie namens "Der Raub der Sabinerinnen" geschrieben hat. Er hat sich jedoch nie an die Aufführung seines Werkes gewagt, da seine Frau Frederike (Helmi Rotter) als "Theatermuffel" gilt. Die Töchter des Hauses Gollwitz haben hingegegen weit mehr mit (dem) Theater am Hut. Die ältereTochter Marianne (Anne Hutmacher) erwartet von ihrem Mann Dr. Leopold Neumeister (Rolf Leuffen) eine anrüchige Vergangenheit, während es Paula (Gaby Leuffen), die jüngere Tochter, mehr mit der Romantik hat und sich von jungen Schauspielern begeistert zeigt. Die ganze Geschichte wird turbulent als Theaterdirektor Emanuel Striese (Erwin Dänecke) das Städtchen besucht. Zufälligerweise und auch etwas durch das gesprächige Dienstmädchen Rosa (Brigitte Kühn) gefördert, erfährt dieser vom Stück des Professors und will es sogleich zur Aufführung bringen. Das von all dem Frederike Gollwitz, die dominante Frau des Professors, nichts weiß und das Theaterdirektor Striese mit Schauspieler Sterneck (Manfred Mühlenbein), dessen Vater Karl Gross (Volker Barlen) ein Bekannter von Gollwitz ist, die Tragödie unfreiwillig zur Komödie werden lässt, verspricht einige Lacher. 
Aus der starken Spielergruppe der 1992 gegründeten Theatergruppe "Die Eiler Kirchenbesen" einzelne Personen herauszuheben, wäre schwierig, stellt doch das gesamte Ensemble ein sehr überzeugendes Kollektiv dar, welches auf der Bühne hervorragend harmoniert. Dem Regisseur Dr. Ferdinand Rotter und seinen Assistentinnen Conny Dänecke und Brigitte Kühn ist es gelungen, aus dem Stück das Optimum herauszuholen. Ein spezielles Lob gilt der Bühnenmannschaft unter der Führung von Andreas Kühn, weiche mit Liebe zum Detail und großem Aufwand das ganze Geschehen in einen würdigen Rahmen packt. 
Die weiteren Aufführungen sind am 29. Oktober um 17 Uhr, sowie am 3.,4., 10., 11. November jeweils um 20 Uhr. Der Vorverkauf erfolgt über die St. Michael-Apotheke und das Schreibwarengeschäft Gatz in Köln-Porz (Eil). 
Am 18. November wird "Der Raub der Sabinerinnen" von der Theatergruppe im Rahmen einer Sondervorstellung kostenlos für die Bewohner der Riehler Heimstätten aufgeführt.

Kölnische Rundschau Ausgabe vom 09.11.2000

Eiler Kirchenbesen

Irrungen mit östlichem Einschlag
Premierenapplaus für Theaterspaß um geraubte Sabinerinnen

Eil - Wer das Pfarrheim St. Michael am 28. Oktober mit der Vorstellung betrat, seine Kenntnisse über das Volk der Sabiner zu verbessern, oder etwas von der sage "Der Raub der Sabinerinnen" zu erfahren, dessen Erwartungen erfüllte die Theatergruppe "Die Eiler Kirchenbesen" eher nicht.

Und doch sollte "Der Raub der Sabinerinnen" nicht nur der Titel, sondern der Dreh- und Angelpunkt in der Handlung des Theaterstückes nach Franz und Paul von Schönthan sein: Gymnasialprofessor Gollwitz schreibt in seiner Studienzeit die gleichnamige Römertragödie, welche geradezu prädestiniert zu sein scheint für den Theaterdirektor Emanuel Striese aus Leipzig und seine Wanderbühne, die zufällig im Ort gastieren. Striese überredet Gollwitz sein Stück aufzuführen.
Dieser stellt jedoch die Bedingungen, dass das Stück anonym erscheine und seine Familie nichts erfahren dürfe, da seine heimliche und eigentliche Liebe mehr dem Theater als seiner Ehefrau gilt. Dies geht jedoch nicht lange gut, und die verschiedensten Streitigkeiten in um die Familie Gollwitz nehmen ihren Lauf. Seit Januar probte die Theatergruppe unter der überzeugenden Regie von Ferdinand Rotter, Brigitte Kühn und Conny Dänecke, und wurde unter großem Beifall mit einer gelungenen Premiere belohnt.
Die Aufführung bestach durch eine starke Umsetzung der unterschiedlichsten Charaktere, die die Grundlage vieler witziger Dialoge schuf. Allein der Ost-Dialekt des Direktors Striese (Erwin Dänecke), gepaart mit dessen einfacher, aber gerissenen Art, erheiterte das Publikum ein ums andere Mal. Ihm standen das Ehepaar Gollwitz (Karl Hutmacher) und seine dominierende Frau (Helmi Rotter) im amüsanten Wechselspiel von Intrigen und Notlügen nicht nach.
Es erübrigt sich zu erwähnen, dass neben den genannten Darstellern, alle Ensemblemitglieder die Aufführung zu einer geschlossenen, harmonischen Theaterdarbietung machten. Leider erfuhr die Premiere eine traurige Widmung an Marlies Simon, die als Ensemblemitglied an der Erarbeitung des Stückes mitgewirkt hat und plötzlich verstorben ist.
Trotz oder vielleicht wegen der engen Raum- und Bühnenverhältnisse konnte sich das Premierenpublikum des Abends, an einer abgerundeteten Inszenierung erfreuen. Sie war der Auftakt zu einer Reihe von insgesamt sieben Aufführungen, die am 18. November endet.

Christoph Ronn

© 2006 by R, Leuffen

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