Faltenrock
und Spitzenhäubchen
Mit
einer Hommage an die 20er Jahre sorgten die „Eiler Kirchenbesen“
bei ihrer Premiere für aufregende Stunden im Pfarrheim St. Michael
von Simone Döpper
Eil
– Tumultartige Szenen spielten sich im Pfarrheim St. Michael ab.
Und das, obwohl Andreas Kühn und Erwin Dänecke den Saal
detailgetreu in eine biedere Wohnstube im Jugendstil-Ambiente
verwandelt hatten.: Mit
Blümchentapete, Staubwedel, Vertiko und Kronleuchter. Der Umbau
beschränkte sich freilich auf den Bühnenbereich, in dem sich die
Akteure
der traditionsreichen Laienschauspieltruppe „Kirchenbesen“
austobten.
Unter
der Regie von Heidi Hirschfeld inszenierte die Theatergruppe mit dem
Lustspiel „Der Bräutigam meiner Frau“ aus der Feder des
Frankfurter Schriftstellers Otto Schwarz (1872-1940) einen
Klassiker, der keine kömödiantische Verrenkung ausließ. Die
Schriftstellerin hella Holm (Brigitte Kühn) und ihr Gatte Dr.
Theodor Schröder (Erwin Dänecke) führen im berlin der 20er Jahre
eine glückliche Ehe. Umsorgt werden sie von der resoluten haushälterin
Mathilde Krüger (Monika Hinkel), die ein strenges Regiment führt
und mit ihrer Berliner Schnauze das Herz auf dem rechten Fleck hat.
Das junge Glück und die Nerven des Publikums werden jäh auf eine
harte Probe gestellt, als im Hause Schröder unerwarteter Besuch aus
Kanada auftaucht. Ausgerechnet, als Dr. Schröder für seinen Freund
Ennerich (Michael Effing) auf einem Wohltätigkeitsfest einspringt,
Hella in Brandenburg einen Vortrag hält und Mathilde Ausgang hat,
nisten Hellas spießige Tante Ottilie (Anne Hutmacher), ihr grobschlächtiger
Ehemann Archibald Thompson (Karl Hutmacher) samt Sohn Toby (Marcel
Rombach) sich in der guten Stube ein.
Von
der Ehe ihrer vermeintlich alleinstehenden Nichte Hella ahnt der
Besuch aus Übersee nichts, erst recht nicht vom Nachwuchs. Schließlich
kommt der so dringend benötigte monatliche Scheck nur deshalb pünktlich,
weil Sohn Toby als Hellas zukünftiger Ehemann gehandelt wird.
Mithin
ist das Chaos perfekt. In seiner Not verbiegt sich der Junggeselle
Heinz Ennerich als ungeübter Babysitter und gibt sich als Dr. Schröder
aus. Dieser taucht am anderen Morgen ahnungslos zuhause auf und muss
wohl oder übel in die Rolle der Haushälterin schlüpfen. Wahrend
Tiefseeforscher Toby der verzweifelten Hella seine Auf-
Verzicht
hätte der Kurzweil keinen Abbruch getan
wartung
macht, hat Dr. Schröder alle Hände voll zu tun, seine Eifersucht
zu bezwingen. Zu allem Überfluss muss er in seiner Rolle als
beleibte Haushälterin auch noch die plumpen Avancen von Archibald
abwehren. Als wären es der Akteure und Verwirrungen noch nicht
genug, betritt auch noch der cholerische Metzgermeister Anton
Bullermann (Manfred Mühlenbein) immer im falschen Augenblick die
Szene, um sich Messer wetzend für Mathildes Kritik an seiner
Fleischqualität zu rächen. Deren uneheliche Tochter Fränzchen
(Svenja Hinkel) sorgt mit Hingabe für hormonellen Daueraufruhr bei
Ennerich.
Wie
schon in seiner Rolle als „Meisterboxer“ im Jahr 2002 lief Erwin
Dänecke als zwitschernde Mathilde mit Faltenrock und Spitzenhäubchen
zu Hochform auf, bewies erneut seine Wandlungsfähigkeit und sorgte
ausgiebig dafür, dass das Zwerchfell des Publikums ausgelastet war.
Nicht weniger beeindruckend spielten sich anderen Akteure um Kopf
und Kragen. Allein die Gesetzmäßigkeit einer Komödie ließ schon
früh erahnen, dass die spektakulären Turbulenzen zu guter Letzt für
alle Beteiligten ein Happy End nahmen.
Die
Anstrengung der zehn Schauspieler, das Publikum über drei Akte und
zwei Pausen hinweg in Atem zu halten, erwies sich mithin als kaum zu
bewältigender Kraftakt. Der Verzicht auf den einen oder anderen der
Nebendarsteller und das Kürzen einiger Dialoge auf einen knappen,
pointierten Schlagabtausch hätten der Kurzweil keinen Abbruch getan
und den verdienten Applaus nicht geschmälert.
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